Agoraphobie

Du hast Angst vor Situationen, die Du nur schwer wieder verlassen kannst? Nun fragst Du Dich, ob Du unter dieser Angst leidest? Und wie kann diese Angst behandelt werden? Was steckt dahinter? In diesem Beitrag möchte ich Dich rund um das Thema Agoraphobie informieren!


Welche Ursachen stecken hinter der dieser Angst?

Die Ursachen fallen von Person zu Person natürlich unterschiedlich aus. Doch gibt es einige, die besonders häufig zu beobachten sind:

Ursache

Beispiel

Erfahrungen Ein kleines Kind hat Angst. Plötzlich taucht ein Hund auf. Beides hat nichts miteinander zu tun. Doch das Kind verknüpft seine Angstgefühle mit dem Hund – und entwickelt eine starke Panik vor diesen Tieren.
Erziehung Die Mutter reagiert sehr aufgeregt bei dem Anblick von Spinnen. Das Kind übernimmt das Verhalten und entwickelt eine Spinnenphobie.
Menschheitsgeschichte Bestimmte Objekte lösen leichter Phobien aus als andere. So fürchten sich mehr Menschen vor Schlangen als vor einem Fernseher. Mit dem Grund, dass die Schlange im Laufe der Menschheitsgeschichte eine reale Gefahr darstellte.
Erlebnisse Beim ersten Flug kam es zu Turbulenzen und weiteren Komplikationen. Der ganze Tag wird als sehr negativ erlebt. Dies überträgt sich auf sämtliche Flüge und Flugreisen.
Veranlagung In der Familie gibt es eine lange Vorgeschichte an Angsterkrankungen.
Hirnstoffwechsel Die Hirnzellen kommunizieren per Botenstoffe. Sobald sie jedoch aus dem Gleichgewicht geraten, kann eine Phobie leichter entstehen.
Innere Konflikte Durch die Trennung der Eltern wächst das Kind bei der Mutter auf. Zum Vater besteht kein Kontakt. Nun hat das Kind eine starke Angst, dass plötzlich auch die Mutter verschwinden könnte. Diese Ängste gehen ins Unterbewusstsein, plötzlich entstehen weitere Ängste wie eben die Agoraphobie.

Tritt die Agoraphobie auch gemeinsam mit einer Panikstörung auf?

Agoraphobie: Was ist das eigentlich? Unter dieser Phobie versteht man die Angst vor bestimmten Situationen, die nur mit sehr großem Aufwand wieder verlassen werden können. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Du Dich in einer großen Menschenmenge befindest oder mit der U-Bahn fährst.

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Was sind die Symptome für eine Agoraphobie mit Panikstörung?

Häufig taucht die Agoraphobie zusammen mit einer Panikattacke auf. So passierte es mir mehrmals, dass ich mich in einer großen Menschenmenge befand. Ich malte mir aus, dass mir ganz plötzlich schwindelig würde und dringend Hilfe bräuchte. Meine panischen Gedanken steigerten sich immer weiter. Und tatsächlich wurde mir schwindelig, ich bekam Schweißausbrüche, Hitzewallungen oder Kälteschauer.
Bei mir kam die Agoraphobie als Folge von häufigen Panikattacken. Diese traten im Rahmen meiner Panikstörung auf – ein klassischer Fall. Irgendwann habe ich versucht, große Menschenmengen zu vermeiden. Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich schließlich kaum mehr gefahren. Am liebsten blieb ich zu Hause, meinem vermeintlich sicheren Rückzugsort.

Was sind die Ursachen für eine Agoraphobie mit Panikstörung?

Wie bereits oben erwähnt, sind die Ursachen für eine Agoraphobie mit Panikstörung sehr vielfältig. Forscher meinen, dass dabei unterschiedliche Faktoren zusammenkommen. Wie genau, weiß man jedoch nicht.
So spielen zum Beispiel die Erbanlagen eine wichtige Rolle: Untersuchungen zufolge sind Panikstörungen bis zu 50 Prozent erblich bedingt! So beeinflussen bestimmte Gene das Emotionszentrum im Gehirn, das Gefühlsreaktionen reguliert. Und das ist bei den Betroffenen so überempfindlich, das mit Angst reagiert wird.
Auch die Familie spielt eine große Rolle. Zum einen eben durch den erblichen Faktor. Zum Anderen übt auch der Umgang unserer Eltern mit Sorgen und Ängsten einen großen Einfluss auf uns aus. Traumatische Erlebnisse wie Gewalterfahrungen oder gar sexueller Missbrauch begünstigen ebenfalls eine spätere Panikstörung.
Stress ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Wer lange Zeit sehr gestresst und überlastet ist, kann leichter eine Panikstörung entwickeln. Bei mir war es auch die Unzufriedenheit mit meiner damaligen Lebenssituation. Ein einschneidendes Erlebnis wie eine Trennung oder ein Trauerfall tut sein Übriges hinzu. Weitere Risikofaktoren: Alkoholmissbrauch und regelmäßiger Drogenkonsum.
Die Lernerfahrung ist ebenfalls entscheidend. Wer in die Vermeidung geht, also immer mehr für ihn gefährliche Situationen meidet, der entwickelt schnell eine chronische Störung. Irgendwann war mein Leben sehr stark eingeschränkt. Doch immer, wenn ich Anderes wagte, entwickelte ich starke Panikschübe, fing an zu zittern und nach Luft zu ringen. Und so glaubte ich, dass meine Angst berechtigt war…

Welche Agoraphobie Therapie ist empfehlenswert?

Ich kenne viele Betroffene, die versucht haben, ihre Agoraphobie mit Beruhigungsmitteln oder Alkohol zu bekämpfen. Das ist natürlich keine Lösung. Denn es hilft nur kurzfristig. Und nicht wenige werden abhängig von beispielsweise Benzodiazepin!
Besser ist da eine Agoraphobie Therapie. Mir hat eine Verhaltenstherapie sehr geholfen. Aber auch Medikamente können in diesem Zusammenhang sehr sinnvoll sein. Beides kann natürlich auch kombiniert werden.
Eine Therapie kann sowohl ambulant als auch stationär in der Klinik durchgeführt werden. Bei sehr schweren Fällen ist sicher ein Aufenthalt in der Klinik erst einmal am besten. Denn inmitten der geschützten Umgebung kannst Du Dich ganz auf Dich und Deine Situation konzentrieren.
Zudem kannst Du eine Therapie einzeln oder in der Gruppe durchführen. Bespreche am besten vorher mit Deinem Dich behandelnden Spezialisten, welche Variante für Dich am besten ist. Nur eines vorab: Eine Agoraphobie ist sehr gut behandelbar!

Agoraphobie Therapie Dauer

Wie lange eine solche Therapie dauert, lässt sich natürlich nicht so pauschal sagen. Dabei spielen sehr viele Faktoren eine Rolle: Wie schwer Deine Phobie ist, wie groß Deine innere Bereitschaft ist, etc.
Bei mir hat es einige Zeit gedauert, bis ich mich WIRKLICH auf die Therapie einlassen konnte. Viele denken: Ich bin jetzt in Therapie, dann ist alles gut! Weit gefehlt! Denn Du musst ja trotzdem AKTIV mitmachen – Deine Therapeuten können Dir die Arbeit nicht abnehmen!
Am Anfang führte ich erst einmal viele ausführliche Gespräche. Denn es dauert eine Zeit, bis man die Ursachen erkennt, sie identifiziert und herausfindet, was sie am Laufen hält.
Wichtig für mich waren auch die sogenannten Konfrontationsübungen. Dabei habe ich mich ganz bewusst mit meinen Angstauslösern und meiner Angst auseinander gesetzt. Dies kann entweder per Reizkonfrontation oder bei einer systematischen Desensibilisierung stattfinden.
Bei der Reizkonfrontation (Flooding) begegnest Du Deinem Angstauslöser langsam oder direkt in einem Schritt. Bei der Desensibilisierung hingegen stellst Du Dich Deinen Ängsten in langsam ansteigender Dosis. Vorher bist Du dabei entspannt. Ich musste mir beispielsweise erst einmal eine große Menschenmenge vorstellen. Dann wurden mir Bilder gezeigt. Und schließlich begab ich mich direkt in diese Situation.

Dabei habe ich meinem Therapeuten ganz genau geschildert, was und wie ich gerade fühle. Meine Angst, ob sie abflaut oder sogar wächst. Welche körperlichen Symptome auftreten. Und mit der Zeit habe ich gemerkt: Ich kann meine Furcht aushalten! Es passiert nichts Schlimmes dabei!

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Das war so ein schönes Gefühl der Befreiung. Und irgendwann wurden die Symptome scheinbar von alleine wieder besser. Bis sie irgendwann komplett abgeflaut sind.

Und was ist mit der Agoraphobie Selbsthilfe?

Wichtig ist natürlich, dass man seine Agoraphobie auch im Alltag gut behandeln kann. Denn die beste Klinik nützt nichts, wenn man hinterher wieder in das alte Muster zurückfällt! So gibt es zum Beispiel Selbsthilfegruppen, bei denen sich Betroffene untereinander austauschen können. Das hat mir als Kind sehr geholfen.
Mir haben auch Entspannungsübungen sehr viel geholfen. Sehr empfehlen kann ich autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Auch ganz einfache Atemübungen können Wunder bewirken. Denn das mehrmalige tiefe Ein- und Ausatmen beruhigt den Körper und die Seele ebenfalls enorm.
Was auch sehr wichtig ist: Sich jemandem anzuvertrauen, mit anderen darüber zu reden. Ich war beispielsweise irgendwann sehr isoliert und alleine. Wusste jedoch nicht, wie ich aus diesem Teufelskreis wieder herauskommen sollte. Denn nur in den eigenen vier Wänden fühlte ich mich sicher.
Bis ich den Mut gefunden habe, zu meiner Freundin zu gehen und zu sagen: Ich habe Agoraphobie. Das war für mich eine große Befreiung und auch Entlastung. Zu sehen, ich habe jemanden an meiner Seite. Und später stellt man fest: Man ist nicht alleine mit diesem Problem – im Gegenteil!

Welche Medikamente helfen bei der Agoraphobie?

Bei einer Agoraphobie werden auch sehr häufig Medikamente verschrieben. Dies ist dann sinnvoll, wenn:

  • das Leben durch die Phobie sehr stark eingeschränkt ist
  • die Therapie dadurch behindert wird
  • oder eine weitere psychische Krankheit vorliegt.

Dabei kommen sehr häufig Antidepressiva (z.B: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, SSNRI) zur Anwendung. Durch diese Substanzen wird der Stoffwechsel der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin beeinflusst.
Auch trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer kommen zum Einsatz. Allerdings solltest Du Folgendes wissen: Es kann einige Wochen dauern, bis die volle Wirkung sich entfaltet!
Manchmal werden auch beruhigende Medikamente verordnet. Allerdings können diese abhängig machen – daher sollten sie wirklich nur im Notfall verschrieben werden!
Besser sind da atypische Neuroleptika. Denn diese können ebenfalls positiv auf die Agoraphobie einwirken. Ohne dass dabei ein Abhängigkeitsrisiko besteht.
In jedem Fall gilt: Lasse Dich zu jedem Medikament ausführlich von Deinem Arzt beraten! Dies ist vor allem dann angebracht, wenn Du noch andere Arzneimittel nimmst. Oder schwanger bist beziehungsweise Dich in der Stillzeit befindest.

Und was ist das Fazit?
Agoraphobie kann den Alltag sehr, sehr einschränken – ich habe das am eigenen Leib erlebt. Irgendwann hatte ich so eine große Angst vor Menschenmengen, dass ich das Haus kaum mehr verlassen habe.
Und dann gefangen war in diesem Teufelskreis: Ich konnte nicht mehr aus dem Haus, weil ich mich nur dort wirklich sicher fühlte. Gleichzeitig fühlte ich mich einsam und allein, hatte (vermeintlich) niemand, dem ich mich hätte anvertrauen können.
Bis ich mir eingestanden habe: Ich brauche Hilfe. Bei einer Therapie habe ich endlich die Hintergründe und die Ursachen für meine Agoraphobie erkennen können – das war der erste Schritt zur Heilung!
Dann, ganz allmählich, lernte ich, wie ich meine Ängste in den Griff bekommen kann. Das hat einige Zeit gedauert. Bitte gib daher nicht gleich auf, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Zudem musst Du natürlich in der Therapie aktiv mitarbeiten – ansonsten nützt Dir auch der beste Therapeut oder die beste Klinik nichts!
Ganz wichtig sind auch kleine Strategien und Techniken, die im Alltag selbständig durchgeführt werden. Bei mir sind es die Entspannungsübungen, die ich immer vor stressigen Situationen unternehme. Auch hierbei gilt es: Ausprobieren, was zu Dir und Deiner Situation passt. Erlaubt ist, was hilft!
Von Drogen, Alkohol und Beruhigungsmitteln solltest Du allerdings besser die Finger lassen. Denn die helfen nur kurzfristig und verschlimmern auf lange Sicht hin sogar nur noch Deine Situation. Glaub mir, Du bist stark genug, dass Du es auch ohne diese „Hilfsmittel“ schaffst!