Hilfe für Partner und Angehörige

Ich werde meiner Frau ewig dankbar sein, dass sie in den Jahren, in denen ich immer wieder an Panikattacken litt, immer zu mir stand, mich nie aufgegeben hat. Ob ich es ohne meine Familie geschafft hätte? Ich weiß es nicht! Gelernt habe ich daraus, dass eine Angsterkrankung niemals nur die Person selbst betrifft, sondern immer auch das Umfeld, Familie, Partner, Freunde. Deshalb möchte ich im vorletzten Kapitel meines Buches noch ein paar Tipps für diejenigen geben, die nicht unmittelbar betroffen sind, aber doch eine große Rolle in der Überwindung von Panikattacken und Angststörungen sein können.

Nicht nur für den Betroffenen selbst sind Angsterkrankungen eine große Belastung. Auch für Partner und Angehörige sind sie eine Herausforderung. Einerseits besteht das natürliche Bedürfnis, zu helfen, andererseits sind viele Angehörigen unsicher, wie sie sich am besten verhalten sollen. Was ist richtig, was ist falsch? Soll man immer auf die Wünsche und Befindlichkeiten eingehen? Erledigt man für seinen Partner, der beispielsweise an sozialer Phobie leidet, sämtliche Einkäufe, Erledigungen und Behördengänge, wird er in seinem ängstlichen Verhalten noch bestärkt und wird womöglich irgendwann ganz unselbständig und ist nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen.

Wie verhält es sich beim Gegenteil – also wenn man sich weigert, dem Partner alles abzunehmen und ihn damit sozusagen zwingt, sich dem Leben und den Ängsten zu stellen? Dann riskiert man womöglich Streit und Spannungen.

Nicht selten kommt es vor, dass Partner und Angehörige im Zusammenleben mit einem Angstpatienten selbst aus dem seelischen Gleichgewicht geraten. In dieser Situation brauchen auch sie Unterstützung sowie die

Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die sich mit den gleichen Problemen herumschlagen oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht ist eine Selbsthilfegruppe für Angehörige eine gute Idee zum Erfahrungsaustausch und um neue Sicht­ und Verhaltensweisen kennenzulernen.

Was können Sie als Partner oder Angehöriger eines Angstpatienten tun?

  • Machen Sie sich klar, dass Sie nicht schuld an der Situation sind. Nicht immer werden Sie „richtig“ reagieren, machen Sie sich deshalb keine Vorwürfe.
  • Sagen Sie Ihrem Partner oder Ihrem Angehörigen, wie wichtig es für ihn und auch für Sie ist, dass seine Ängste beseitigt werden. Den Weg zur Bewältigung dieser Angst muss der Betroffene jedoch selbst wählen. Dies kann erfolgen durch eine Umstellung der Lebensweise, durch Lesen von Ratgeberliteratur oder auch mit Hilfe eines Therapeuten.
  • Ganz wichtig: Denken Sie auch an sich selbst, geben Sie sich selbst nicht auf! Suchen Sie sich ein Hobby, das sie ablenkt. Auf diese Weise sorgen sie für Ausgleich und Entspannung und können neue Kräfte tanken.
  • Gehen Sie nicht immer auf Klagen und Jammern ein. Übergehen Sie solche Äußerungen ruhig hin und wieder. Und vor allem: Lassen Sie sich von solchen Äußerungen nicht aus der Ruhe bringen! Ständige und womöglich übermäßige Aufmerksamkeit führt oft zur Verstärkung der Ängste und Sorgen.
  • Kann es Sein, dass Sie die Ängste Ihres Partners manchmal – bewusst oder unbewusst – unterstützen? Zum Beispiel, indem Sie ihm immer wieder Dinge abnehmen, weil Sie meinen, er schafft es nicht allein, oder vielleicht auch, weil es einfach schneller geht? Damit helfen Sie ihm jedoch nicht – im Gegenteil! Zu viel Fürsorge ist bei der Angstbewältigung eher

hinderlich und macht es dem Betroffenen einfach, sich den angstauslösenden Situationen zu entziehen. Ermutigen Sie ihn stattdessen, seine Aufgaben selbst zu erledigen. Sie können ihm dabei helfen und ihn vielleicht begleiten, aber nehmen Sie ihm nicht alles ab!

  • Unterstützen Sie alle Bemühungen Ihres Angehörigen oder Partners, seine Ängste zu bewältigen mit Anerkennung und Lob.
  • Wenn Sie Zeuge einer Panikattacke Ihres Partners werden, bleiben Sie ruhig und ermutigen Sie ihn, sich der Situation nicht zu entziehen, sondern durchzuhalten, bis die Angst abgeklungen ist. Bleiben Sie aber an seiner Seite, bis die Attacke vorbei ist.
  • Vielleicht ist eine Selbsthilfegruppe das Richtige für Sie? Schon die Erfahrung, dass Sie nicht allein sind, sondern dass viele andere Menschen die gleichen Probleme haben, kann äußerst hilfreich sein.

Vergessen Sie nicht: Sie können die Probleme Ihres Partners oder Angehörigen nicht lösen. Aber Sie können ihn unterstützen und ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Die Hilfsangebote muss der Betroffene jedoch selbst umsetzen.