Typische Fehler bei Panikattacken

Typische Fehler – Das sollten Sie niemals tun!

Angst ist kein schönes Gefühl. Und Angst macht Angst. Und da es in der Natur des Menschen liegt, unangenehme oder beängstigende Situationen zu vermeiden, suchen wir mehr oder weniger bewusst nach Möglichkeiten, unsere Angst von vornherein im Keim zu ersticken.

Leider bekämpfen die meisten dieser Methoden lediglich die Symptome, ohne jedoch die Ursachen auszuschalten. Deshalb möchte ich Ihnen an dieser Stelle sieben typische Fehler aufzeigen, die Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie Ihre Ängste dauerhaft besiegen wollen.

Flucht

Sie haben Angst vor Hunden? Also laufen Sie vor Hunden weg? Dies ist zunächst eine normale, einleuchtende Reaktion. Sie flüchten vor dem angstauslösenden Objekt, und zunächst wird Ihre Angst auch

verschwinden. Allerdings flüchten Sie in dem Moment nicht nur vor dem Hund, sondern auch vor einer unglaublich tollen Erfahrung – nämlich der, dass Ihre Angst völlig unbegründet war und der Hund Ihnen sicher vertrauensvoll die Hand geleckt hätte und im „schlimmsten“ Fall freudig an Ihnen hochgesprungen wäre, Sie aber ganz sicher nicht angegriffen hätte.

Auf lange Sicht tun Sie sich mit der Flucht vor der Angst keinen Gefallen. Wenn Sie sich Ihrer Angst niemals stellen, werden Sie auch nie erfahren, dass die „Gefahr“ nur in Ihren Gedanken existierte und auch nie erleben, dass die Angst schwächer wird und irgendwann ganz verschwindet. Auf diese Weise wird die Angst weiterhin Ihr ständiger Begleiter bleiben.

Vermeidung

Sie haben Flugangst? Also steigen Sie in kein Flugzeug. Sie leiden unter Agoraphobie? Also vermeiden Sie große Menschenansammlungen. Auch dies

erscheint logisch und folgerichtig. Es liegt in unserer Natur, dass wir Situationen, in denen wir uns fürchten, meiden. Aber auch mit diesem Verhalten bekämpfen Sie ausschließlich die Symptome, Ihre Ängste werden nicht verschwinden, sondern nur immer größer werden. Dazu kommt, dass Sie sich um so viele schöne Erlebnisse bringen! Wie viele wunderschöne Flecken dieser Erde werden Sie niemals kennenlernen, wenn Sie nicht mit dem Flugzeug reisen! Wie oft werden Sie anstatt mit Freunden auszugehen, mit der Familie einen Ausflug oder mit der Freundin eine Shopping­Tour zu unternehmen, allein zu Hause sitzen, weil Sie Menschenansammlungen fürchten! Das wäre doch schade, oder?

Betäubung

Es ist nur allzu verständlich – viele angsteinflößende Situationen verlieren Ihren Schrecken, wenn wir uns betäuben – sei es mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen. Der eine braucht seine abendliche Dosis Wein, um zur Ruhe zu kommen, der andere greift zu Beruhigungsmitteln. Auch übermäßiges Essen kann ein Weg sein, sich in Angstsituationen zu betäuben.

Dass Ihre Angst mit Betäubungsmitteln nicht verschwindet, sondern nur kurzzeitig in den Hintergrund tritt, muss ich Ihnen sicher nicht erklären. Und doch scheint es für viele Menschen der einfachste Weg zu sein. Früher oder später haben Sie jedoch nicht nur ein Angst­, sondern zusätzlich dazu auch noch ein Suchtproblem.

Auch ich habe diesen Fehler gemacht. Als ich meinte, mit meinen Panikattacken anders nicht mehr fertig zu werden, habe ich angefangen, Alkohol zu trinken. Viel zu viel und immer mehr. Tagsüber im Büro war ich meistens abgelenkt, aber abends kam die

Angst. Unaufhörlich machte sie sich breit; aber nach 2 oder 3 Gläsern Rotwein war sie – schwupps! – wie weggeblasen! Bald reichte der Wein nicht mehr, bald musste es Wodka sein. Verführerisch und gefährlich! Irgendwann stellte ich fest, dass es mir nicht mehr möglich war, meine Panikattacken ohne Alkohol unter Kontrolle zu bringen. Erst, als ich mich meinen Ängsten stellte, erst, als ich mein komplettes Leben umstellte, sowohl meine Ernährung als auch meine Schlafgewohnheiten, erst als ich mich zu einer Therapie entschloss, besiegte ich nicht nur meine Panikattacken, sondern auch meinen Drang nach immer mehr Alkohol.

Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie ich! Fangen sie gar nicht erst an, sich – womit auch immer – zu betäuben! Sie werden damit Ihre Ängste nicht los und haben bald ein weiteres Problem, dass der Angsterkrankung in nichts nachsteht!

Kontrollzwang

Viele Menschen meinen, Ihre Ängste in Schach halten zu können, indem sie alles wieder und wieder kontrollieren. Somit meinen sie sicherzustellen, immer in Sicherheit zu sein. Wie oft laufen Sie manchmal zu Ihrem geparkten Auto zurück, um sich zu vergewissern, dass es abgeschlossen ist und dass die Parkscheibe richtig eingestellt ist? Sind Sie schon einmal – gern auch mehrmals – obwohl Sie es eilig hatten, zurück in die Wohnung gegangen und haben kontrolliert, dass der Herd ausgestellt ist und nicht irgendein vergessener Wasserhahn noch läuft? Gehören Sie zu den Menschen, die jeden Abend akribisch ihr Zuhause nach Spinnen absuchen? Fakt ist jedoch – mit zwanghaftem Verhalten erreichen Sie auch höchstens eine kurzfristige Erleichterung, niemals aber eine Überwindung Ihrer Ängste!

Grübeln

Viele von uns glauben, die Menschheit wird immer schlechter, es geschieht immer mehr Unrecht, und es passieren viel mehr Verbrechen als früher – in der guten alten Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war. Das ist nicht wahr! Es passiert nicht mehr Schlimmes als früher, wir erfahren einfach nur alles, was passiert. Und das in kürzester Zeit. Medien wollen konsumiert werden, und die meiste Aufmerksamkeit erregen einfach Schreckensmeldungen. Oder können Sie sich vorstellen, dass Sie morgen eine Bild­Zeitung kaufen, in der auf der Titelseite steht: „Liebe Leser, gestern ging alles seinen friedlichen Gang, niemand wurde ermordet, niemand verprügelt, und eine Bank wurde auch nicht ausgeraubt.“ Gefolgt von mehr oder weniger guten Wetteraussichten, und das war’s. Unvorstellbar, oder? Nein, auch das liegt in der Natur des Menschen, das gut aufgemachte Sensationsmeldungen die meiste Aufmerksamkeit erregen.

Leider hat dies zur Folge, dass ohnehin schon ängstliche Menschen viel zu viel grübeln, was alles passiert ist, was passieren könnte und was ganz sicher noch passieren wird. Sie sind gefangen in einem Karussel der permanenten Sorgen und des Grübelns. Das ist absolut verständlich! Ebenso, wie es verständlich ist, dass eine Lebenskrise, wie beispielsweise Verlust des Jobs oder des Partners oder auch eine ernsthafte Erkrankung einen Menschen in die Sorge treiben können.

Schwierig wird das Ganze, wenn diese negativen Gedanken und Ängste das gesamte Leben beherrschen. Dann verstärken sie bereits bestehende Angsterkrankungen nur noch weiter. Ständiges Grübeln ist also ebenfalls kontraproduktiv in der Bekämpfung von Angst und Panikattacken!

Unselbständigkeit

Natürlich möchte ich Sie – wenn Sie an Panikattacken oder anderen Angststörungen

leiden – ermutigen, sich Unterstützung zu suchen. Auch ich bin froh und dankbar, meine Familie und eine Handvoll wirklich gute Freunde gehabt zu haben, als es mir schlecht ging und die Angst mich aufzufressen drohte.

Bei manchen Betroffenen geht diese Hilfsbedürftigkeit allerdings so weit, dass sie sich irgendwann gar nichts mehr allein zutrauen. Dann wird eine kurze Fahrt mit dem Bus oder ein gewöhnlicher Einkauf im Supermarkt schon zu einem unüberwindlichen Hindernis. Am Ende ist man völlig unselbständig und nur noch auf die Hilfe anderer angewiesen. Dies hilft weder zur Überwindung der Angsterkrankung, noch ist es dem Selbstwertgefühl dienlich.

Zuviel Sicherheit

Sie begeben sich zwar in angstauslösende Situationen, aber niemals, ohne sich nach allen Seiten abzusichern? Sie fahren zwar Auto, obwohl es Ihnen Angst macht, aber

niemals über die Autobahn? Sie verreisen hin und wieder, aber nur an Orte, wo es ein großes Krankenhaus und jede Menge Ärzte gibt? Sie würden nie im Leben ohne Ihr Handy auch nur den Müll hinuntertragen oder zum Bäcker ein paar Häuser weiter gehen?

Zwar ist es positiv, dass Sie sich in die angstauslösende Situation begeben. Aber wenn Sie sich ein solch „wasserdichtes“ Sicherheitssystem erschaffen, werden Sie nie erleben, dass Sie die beängstigende Situation auch ohne Netz und doppelten Boden bewältigt hätten.